Böblinger Kreiszeitung, 24.01.2018: Starker Auftakt für Night Talk im Blauen Haus

Arti­kel Böb­lin­ger Kreis­zei­tung vom 24. Janu­ar 2018 — 19:18

BÖBLINGEN (edi). “Stef­fens Nacht” beginnt buch­stäb­lich über­schäu­mend: In sei­ner anfäng­li­chen Ner­vo­si­tät stellt “Night Talk”-Moderator Stef­fen Volk­mer sei­ne Bier­fla­sche mit etwas zu viel Schwung auf das klei­ne Tisch­chen auf der Büh­ne. Dadurch ergießt sich das fei­ne “Trip­le A” aus der Böb­lin­ger Kraft­bier­werk­statt weiß­per­lend über den Boden. Was soll’s? Schwamm drü­ber. Wohnt nicht jedem Anfang ein Sau­ber­ma­chen inne? So oder so ähn­lich steht’s jeden­falls bei einem berühm­ten deut­schen Wortkünstler.

Ums gespro­che­ne Wort geht es auch im neu­en Ver­an­stal­tungs­for­mat im Böb­lin­ger Blau­en Haus. Der Böb­lin­ger KRZ-Mit­ar­bei­ter und Comic-Redak­teur Stef­fen Volk­mer war mit sei­ner Idee, dort einen locke­ren Knei­pen­talk im Sti­le von “Inas Nacht” anzu­bie­ten, auf Pro­gramm­che­fin Gaby Branz zuge­kom­men. “Ich bin beruf­lich viel in Ame­ri­ka unter­wegs. Dort gehe ich ger­ne in Come­dy-Clubs”, erzählt Volk­mer, der als Pres­se­spre­cher beim Pani­ni-Ver­lag viel her­um­kommt. Unter ande­rem steht er bei zahl­rei­chen Comic‑, Buch- und Spie­le­mes­sen in Deutsch­land oder in den USA als Mode­ra­tor auf der Büh­ne. “An den Wochen­ta­gen fül­len die­se Come­dy-Clubs ihr Pro­gramm, indem sie loka­le oder regio­na­le Talk­gäs­te ein­la­den. Das müs­sen gar kei­ne Pro­mi­nen­te sein. Ein­fach nur inter­es­san­te Men­schen”, berich­tet Volk­mer. Dazu gibt’s Live-Musik und an der Bar dür­fen Geträn­ke bestellt werden.

Mit sei­nem Vor­schlag rann­te der Böb­lin­ger beim Blau­en Haus offe­ne Türen ein — obwohl vor­her alles ande­re als klar war, wie die­ses For­mat ankom­men wür­de. Die Ant­wort erhal­ten die “Night-Tal­ker”, als bereits 20 Minu­ten vor Beginn die Gäs­te im Flur vor dem Ver­an­stal­tungs­raum Schlan­ge ste­hen und dar­auf war­ten, dass die Tür auf­geht. “Da soll noch mal einer sagen, am Mon­tag ist nichts los in Böb­lin­gen”, schaut Gaby Branz zufrie­den über die voll­be­setz­ten Stuhl­rei­hen. Am Ende sit­zen und ste­hen rund 70 Gäs­te im Saal.

Dann begrüßt Volk­mer sein Publi­kum und erklärt noch­mal, war­um in Böb­lin­gen ab jetzt getalkt wird. Anfangs kämpft der 48-Jäh­ri­ge ein biss­chen mit der Tech­nik: Auf sei­nem Note­book, das zwi­schen­durch den Dienst ver­sagt, hat er zum Auf­wär­men ein paar wit­zi­ge Foto­mon­ta­gen vor­be­rei­tet. In einer davon lässt er zur Belus­ti­gung des Publi­kums die Gesich­ter von Wolf­gang Lütz­ner und Johan­nes Söh­ner per Bild­be­ar­bei­tungs­soft­ware zum Ober­bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten “Lüh­ner” zusammenfließen.

“Ich bin einer, der sehr ger­ne redet”, beschreibt Volk­mer sich in sei­ner Vor­stel­lung selbst. Als Zuschau­er stellt man schnell fest: Er ist auch einer, der sehr gut zuhö­ren kann. Anders als man­cher TV-Talk­mas­ter lässt er sei­nen Gäs­ten viel Raum und ermög­licht so inter­es­san­te und teils recht tief­ge­hen­de Ein­sich­ten. Dank sei­ner Tätig­keit als frei­er Mit­ar­bei­ter der KREISZEITUNG, vor allem aber als PR-Mann bei einem der markt­füh­ren­den Comic­ver­la­ge in Deutsch­land ist der Böb­lin­ger gut ver­netzt — was sich auch an der Gäs­te­lis­te able­sen lässt.

Den Auf­takt macht Harald Küm­mel. Der gebür­ti­ge Sin­del­fin­ger ist als Klet­ter­trai­ner sowie als Men­tal- und Gesund­heits­coach tätig. Zudem foto­gra­fiert er seit sei­ner Jugend bei Rock- und Pop­kon­zer­ten und kann vor allem über die wil­den Auf­trit­te berühm­ter Rock­bands in Sin­del­fin­gen und Böb­lin­gen vie­le amü­san­te Geschich­ten erzäh­len (wir berich­te­ten mehr­fach). Zudem bezeich­net Volk­mer ihn als “Klet­ter-Guru” und “Extrem­sport­ler” — was Küm­mel zunächst nicht so ste­hen las­sen will. Je län­ger er über sei­ne Berg­tou­ren erzählt (zuletzt war er auf dem Sechs­tau­sen­der Stok Kan­gri im Hima­la­ya), oder davon, wie er vor Jah­ren als Dra­chen­flie­ger in eine Gewit­ter­wol­ke gera­ten ist, des­to pas­sen­der erschei­nen die­se Bezeich­nun­gen dann aber.

Volk­mers nächs­ter Gast hat eine nicht min­der span­nen­de Vita. Schließ­lich ist der Name Olli Koblen­zer eben­so mit der Grün­dung von Radio BB ver­bun­den wie mit den Anfän­gen des Böb­lin­ger Fern­seh­sen­ders RTV, aus dem spä­ter Regio-TV her­vor­ging. Der Mode­ra­tor und sein Talk­gast ken­nen sich noch gut aus gemein­sa­men Radio­zei­ten: Volk­mer hat­te einst eine eige­ne Sen­dung über Comics bei Radio BB.

Was Koblen­zer mit sei­nen sei­nen Kom­pa­gnons als Lokal­rund­funk- und TV-Pio­nier alles erlebt hat, sorgt mehr­fach für gro­ßes Geläch­ter im Publi­kum. Mit viel Selbst­iro­nie und komö­di­an­ti­schem Talent erzählt er von sei­nen ama­teur­haf­ten, dabei aber immer ambi­tio­nier­ten Anfän­gen in der Medienbranche.

Das eigent­li­che Gesprächs­the­ma der bei­den ist aber Koblen­zers jüngs­tes Pro­jekt: das Craft­beer-Brau­en. Gemein­sam mit sei­nem RTV-Kol­le­gen Ras­mus Mutt­schel­ler grün­de­te er 2015 die “Kraft­bier­werk­statt”. Auch hier hat Koblen­zer vie­le amü­san­te Anek­do­ten parat — unter ande­rem dar­über, wie der Brau­meis­ter von Schön­buch-Bräu jedes­mal mit der Nase rümpft, wenn die “Kraft­bier­ma­cher” mal wie­der mit einer neu­en ver­rück­ten Rezep­tur bei ihm ankommen.

Pas­send zum Gast gibt es die Erzeug­nis­se der Kraft­bier­werk­statt auch zu trin­ken. Offen­bar kommt das Gebräu gut an. “Isch scho’ aus!”, ruft es jeden­falls von der Bar in Rich­tung Büh­ne, als Stef­fen Volk­mer davon schwärmt, wie gut ihm sein “Awe­so­me Amber Ale” oder kurz “Trip­le A” schmeckt.

Gar nichts mit Bier am Hut hat Volk­mers letz­ter Gast. Der heißt mit bür­ger­li­chem Namen Domi­nik Kuhn, ist aber eigent­lich als Dodo­kay bekannt. Sehr bekannt sogar: Sei­ne vira­len You­tube-Vide­os, in denen er Darth Vader, Barack Oba­ma oder Geheim­agent Jack Bau­er aus “24” schwä­bisch schwät­zen lässt, wur­den mil­lio­nen­fach ange­schaut. Weil er damit zum You­tube-Star wur­de, enga­gier­te ihn der SWR für das Syn­chro-Come­dy-For­mat “Die Welt auf Schwä­bisch”. Seit eini­ger Zeit ret­tet er außer­dem als “Schwäb­man” im Pri­vat­ra­dio die Welt.

Damit sind Dodo­kays vie­le Talen­te noch längst nicht alle auf­ge­zählt: Der gebür­ti­ge Reut­lin­ger ist Wer­be­fach­mann, TV-Pro­du­zent, Wer­be­spre­cher und vie­les mehr. Im März kommt er mit sei­ner zwei­ten Büh­nen­show “Schwa­ben, Men­schen, Aben­teu­er” nach Sindelfingen.

Dass Bier-Fan Volk­mer und Gers­ten­saft­ver­wei­ge­rer Dodo­kay sich so gut ken­nen und ver­ste­hen, kommt unter ande­rem daher, dass Kuhn für den Pani­ni-Ver­lag zahl­rei­che “Star Wars”-Romane ins Deut­sche über­setzt hat. Spä­ter kam noch eine Über­set­zung der “Simpsons”-Comics ins Schwä­bi­sche dazu.

Es macht rich­tig Spaß, den bei­den zuzu­hö­ren. Volk­mer, der sein Lam­pen­fie­ber mitt­ler­wei­le los ist, ent­lockt sei­nem Gast vie­le lus­ti­ge Geschich­ten — und eine erstaun­li­che Viel­zahl an Stim­men. Kein Wun­der: Kuhn spricht näm­lich auch Radio­wer­be­tex­te. “Guck amol, was aus dem für Geräu­sche kom­met”, amü­siert sich Dodo­kay über die Ver­blüf­fung sei­ner Zuhö­rer, als sie mer­ken, dass dem Älb­ler auch die Stim­me des per­fekt hoch­deutsch par­lie­ren­den Herrn aus der Auto­wer­bung gehört.

Am Ende gibt’s viel Bei­fall für einen gelun­ge­nen Auf­takt­abend. Auf die Fra­ge, was er beim nächs­ten “Night Talk” am 26. März (die Gäs­te sind noch nicht bekannt) anders machen will, fal­len Volk­mer nicht all­zu vie­le Ver­bes­se­run­gen ein. “An der Tech­nik wer­de ich noch etwas fei­len. Da hat noch nicht alles geklappt”, räumt er ein. “Und ich wer­de auf jeden Fall weni­ger Bier ver­schüt­ten”, grinst er und geneh­migt sich noch einen gro­ßen Schluck aus sei­ner “Trip­le A”-Flasche.

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